Suna Karakas von Das Hunger Projekt

Gemeinsam stark gegen Hunger und Armut: Im Interview mit Suna Karakas von „Das Hunger Projekt“

Wir freuen uns, in diesem Artikel ein inspirierendes Interview mit Suna Karakas, der Landesdirektorin von Das Hunger Projekt e. V., zu teilen.

Als langjähriger Partner des Projekts möchten wir durch unsere Unterstützung in Form von Spenden und durch das Schaffen eines Bewusstseins für diese wertvolle Arbeit dazu beitragen, die Vision einer hungerfreien Welt Wirklichkeit werden zu lassen.

Im Interview gibt uns Suna Karakas spannende Einblicke in die Herausforderungen und Erfolge ihrer Arbeit, die zentrale Rolle von Frauen im Kampf gegen den Hunger und die Bedeutung eines gemeinschaftsorientierten Ansatzes.

Interview: Suna Karakas, Landesdirektorin Das Hunger Projekt e. V.

Was antwortest Du Menschen, die sagen, dass man den Hunger in der Welt nicht beenden kann?

Unsere Vision beim Hunger Projekt ist „eine Welt ohne Hunger“. Wir glauben fest daran, dass Hunger in der Welt beendet werden kann. Auf der Welt gibt es genügend Nahrungsmittel, um alle zu ernähren. Es sind aber vor allem die globalen Herausforderungen wie Kriege, der Klimawandel, aber auch Armut und ungerechte Systeme, die den Hunger verschärfen und aufrechterhalten. Es braucht daher auch den politischen Willen der globalen Gemeinschaft, diese Ursachen und Probleme entschlossen anzugehen. Deshalb sind wir in Deutschland und global auch im Bereich Advocacy und Bildungsarbeit aktiv, u.a. auch auf UN-Ebene, um auf diese Themen Einfluss zu nehmen und unsere Erfahrungen zu teilen.

Das Hunger Projekt fördert verstärkt Frauen und Mädchen. Warum sind Frauen so wichtig, um Hunger und Armut zu überwinden?

Um Hunger und Armut nachhaltig zu beenden, müssen wir auch ungerechte Systeme transformieren. Deshalb ist das Empowerment von Frauen und Mädchen und die Gleichstellung der Geschlechter, also gender equality, ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Beispielsweise sind in vielen afrikanischen Ländern mehr Frauen als Männer In der Nahrungsmittelproduktion, vor allem der Landwirtschaft, beschäftigt. Jedoch haben Frauen aufgrund ungerechter Systeme oft nicht die gleichen Rechte und begrenzten Zugang zu Ressourcen und Chancen, um ihr Einkommen langfristig zu verbessern.

Unsere Erfahrungen der letzten vier Jahrzehnte zeigen, dass Frauen die treibende Kraft sind, um Hunger und Armut nachhaltig zu beenden. Frauen spielen oft die wichtigste Rolle in der Ernährungssicherung ihrer Familien. Sie treffen auch die Entscheidungen, die sich auf die Gesundheit und Ausbildung ihrer Kinder auswirkt. Diese Entscheidungen zeichnen den Weg für zukünftige Generationen. Wir sehen in unseren Programmen, die positiven Auswirkungen, wenn Frauen Zugang zu einem besseren Einkommen bekommen. Egal ob es durch Arbeit oder Unternehmertum ist, in der Regel investieren sie einen erheblichen Teil ihres Einkommens in ihre Haushalte. Dies kommt wiederum der Gesundheit, Ernährung, Bildung und dem allgemeinen Wohlbefinden ihrer Kinder zugute.

Das heißt wenn wir die Gleichstellung der Frauen gezielt und langfristig fördern, profitieren nicht nur Familien, sondern ganze Gemeinschaften und Generationen davon.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Unterstützung von Mädchen und Frauen?

In vielen Ländern im Globalen Süden, in denen wir arbeiten, sind Frauen und Mädchen aufgrund von patriarchalischen Gesellschaften stark eingeschränkt in ihren Rechten, Freiheiten, und Möglichkeiten. Sie dürfen zum Beispiel kein Land oder Eigentum besitzen, Familien vererben ihnen keinen Besitz und junge Mädchen werden früh verheiratet. Diese Ungleichheiten führen auch dazu, dass Frauen und Mädchen am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels, der digitalen Kluft, Nahrungsmangel und lokalen Konflikten betroffen sind. Über 60 % der Menschen, die weltweit von Hunger betroffen sind, sind Frauen.

Um eine systemische Veränderung zu bewirken, setzen wir in unserer Arbeit auf einen frauenfokussierten Ansatz. Beispielsweise in Indien, wo wir neu gewählte Frauenabgeordnete über ihre Rechte und Pflichten aufklären und ihr Wissen und ihre Führungskompetenzen stärken. Wir bilden die Frauenabgeordneten aus und vernetzen sie mit wichtigen Entscheidungsträgern. So können sie sich für ihre Gemeinden engagieren und Einfluss nehmen. Ein anderes Beispiel ist unser Projekt in Bangladesch gegen Kinderheirat (Link zu YouTube Video). Dort arbeiten wir mit lokalen Regierungen, religiösen Führern, Lehrkräften, Jungen, Mädchen und Familien, um auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen einen Wandel zu bewirken und Kinderehen zu verhindern.

Wenn man sich mit der Arbeit des Hunger Projekts beschäftigt, liest und hört man immer wieder „Community-Led-Development“. Kannst Du uns kurz sagen, für was dieser Begriff steht?

Community-Led Development oder kurz CLD ist neben der Stärkung von Frauen und Mädchen die zweite wichtige Säule unserer Arbeit. Mit dem CLD-Entwicklungsansatz empowern und mobilisieren wir Menschen in den Communities ihre Entwicklung selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Wir ermutigen Sie, den Wandel aktiv mitzugestalten und voranzutreiben. Der CLD-Ansatz stärkt die Eigenverantwortung der Gemeinschaft, nicht nur aktuelle Probleme zu lösen, sondern auch zukünftige Herausforderungen selbst zu bewältigen. Es gibt sogar eine weltweite Bewegung „Movement for Community-Led-Development“ mit über 1.500 Organisationen, die diesen Ansatz weltweit in Projekten fördern. Unsere globale Partnerorganisation The Hunger Project war Gründungsmitglied dieser Bewegung. Derzeit vernetzten wir uns mit deutschen NGOs, und versuchen auch hier in Deutschland ein CLD-Netzwerk zu gründen.

Das heißt, dass die Menschen vor Ort entscheiden, welche Projekte wichtig sind, und die lokalen Gemeinden die Maßnahmen auch umsetzen?

Die Menschen vor Ort kennen ihre Bedürfnisse und ihre Umstände am besten. Unser CLD-Ansatz hat das Ziel, die Menschen zu befähigen, selbst ihre Situation zu verbessern. Die Entwicklungsprozesse werden direkt in den Communities, also den Dorfgemeinschaften, Städten und Kommunen geplant und umgesetzt. Die Menschen entscheiden für sich und ihre Communities, was sie brauchen und wie sie ihre Ziele umsetzen und erreichen wollen. Wir empowern sie in diesem Prozess und begleiten sie dabei mit Zugang zu Wissen, Ressourcen und Vernetzung mit anderen Akteuren wie lokale Behörden. Ein zentrales Ziel unseres CLD-Ansatzes ist es, die Gemeinschaften so zu stärken, dass sie in Zukunft nicht mehr auf externe Hilfe angewiesen sind, sondern ihre eigenen Lösungen entwickeln und implementieren. Unsere Arbeit zielt darauf ab, nachhaltige Veränderungen zu bewirken: für die Menschen vor Ort, mit den Menschen vor Ort.

Zur Person

DHP-Portrait_Suna_Karakas

Suna Karakas arbeitet seit 2020 für Das Hunger Projekt. Als Landesdirektorin ist sie verantwortlich für die operative Leitung des gemeinnützigen Vereins. Sie leitet das Team in Deutschland und koordiniert die Zusammenarbeit mit anderen Länderbüros des globalen The Hunger Project Netzwerks. Bevor Suna zum Hunger Projekt kam, hat sie über zehn Jahre in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit für die Weltbank, UNICEF und verschiedene NGOs gearbeitet. In dieser Zeit war sie an Projekten in Afrika, Osteuropa, Zentralasien und dem Nahen Osten beteiligt. Suna hat mit lokalen und nationalen Akteuren auf Regierungsebene sowie mit der Zivilgesellschaft an Entwicklungsstrategien zur Armutsbekämpfung gearbeitet. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit lag auf der Stärkung von Community Engagement und der Inklusion und Teilhabe von benachteiligten Gruppen (Frauen, jungen Menschen, Flüchtlingen, Minderheiten). Suna hat einen M.A. Abschluss in Internationale Beziehungen und internationale Ökonomie von der Johns Hopkins Universität (SAIS).

Das Hunger Projekt

Das Hunger Projekt (DHP) wurde 1982 als gemeinnütziger Verein in Deutschland gegründet. Heute arbeitet ein Team aus Festangestellten und Ehrenamtlichen in ganz Deutschland für eine Welt ohne Hunger. Das Hunger Projekt Büro ist in München. Gemeinsam mit weiteren 21 Länderbüros des globalen „The Hunger Project“ Netzwerkes fördert der Verein Programme, die Hunger und Armut nachhaltig beenden.

Selbstbefähigung von Menschen und Gemeinden vor Ort

Die Programme des Hunger Projekts basieren auf einem nachhaltigen und ganzheitlichen Ansatz. Sie unterstützen und bestärken Menschen und Gemeinschaften in Afrika, Lateinamerika und Südasien, ihre Lebenssituation eigenständig zu verbessern und die Entwicklung ihrer Gemeinden aktiv mitzugestalten. Das Hunger Projekt fördert die Ausbildung und Unternehmertum von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die Stärkung von Frauen und Mädchen, Mutter-Kind-Gesundheit, Klimawandelresilienz, Bildungskampagnen und vieles mehr. Die Programme werden von den Menschen vor Ort für die Menschen vor Ort entwickelt. Die Umsetzung steuert das jeweilige Landesbüro von The Hunger Project, in dem ausschließlich einheimische Mitarbeiter*innen tätig sind. Wir haben mit Suna Karakas, der Landesdirektorin von Das Hunger Projekt e. V., über Ihre Arbeit, Selbstbefähigung und die Rolle von Frauen im Kampf gegen den Hunger gesprochen.

Alexandra Dietrich

Alexandra hat Gesundheitsförderung (B. Sc.) studiert. Sie liebt es, ihr Fachwissen rund um Gesundheit mit Online-Marketing zu verbinden, um den Menschen zu helfen, ein gesünderes Leben zu führen. In ihrer Freizeit genießt sie es, Zeit in der Natur zu verbringen – ob beim Joggen im Wald, beim Surfen am Meer oder auf einem Musikfestival.

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